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Küchen-News

Lernen Sie von den Dänen – seien Sie hyggelig

Die Branche schaut erwartungsvoll ins Jahr 2017. Und die Zeichen stehen der politischen Großwetterlage zum Trotz auf Grün. Gerade als ich diesen Artikel schreiben will, flattert mir das neueste Konjunkturbarometer der GfK auf den Tisch. Das EU-Konsumklima ist auf dem höchsten Stand seit neun Jahren. Neben Deutschland sind Frankreich, Spanien, Portugal, Niederlande, Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Bulgarien sehr positiv gestimmt. Gute Vorzeichen für die exportorientierte deutsche Küchenmöbel- und Hausgeräteindustrie.

Für den Handel ist natürlich die Stimmung der deutschen Konsumenten entscheidend und die bleibt auf hohem Niveau positiv. Langlebige Konsumgüter bleiben gefragt. Und der Trend zur hochwertigen Kücheneinrichtung, der sich laut GfK in 2016 mit einem starken Wachstum bei Küchen über 10.000 Euro Auftragswert widerspiegelt, gibt der Branche Anlass zur Hoffnung. Diese Nachfrage nach hochwertigen Küchen und Geräten wurde auch bei unserer Besucherbefragung auf der LivingKitchen deutlich; den Beitrag lesen Sie auf Seite 33. Mir scheint, die Kunden fühlen sich durch Kochshows, Einrichtungssendungen und Wohnzeitschriften animiert, ihr Zuhause, ihre Küche nicht nur zu verschönern, sondern zweckmäßig und qualitativ hochwertig einzurichten.

Und da bin ich wieder bei meinen Eingangsworten, denn die politische Großwetterlage, die von einem durchgeknallten amerikanischen Präsidenten, von einem unsinnigen Krieg in Syrien und einem menschenverachtenden Terror sowie durch das weitere Erstarken nationalistischer Parteien und Tendenzen in Europa bestimmt wird, bringt den Verbraucher dazu, sich überwiegend in seinen eigenen vier Wänden zu bewegen.

Die Koelnmesse bringt die Stimmung in ihrem Trendreport auf den Punkt: Für die Menschen wird das Private immer mehr zu einem Ort der Gleichzeitigkeit von Arbeit und Freizeit, Geselligkeit und Rückzug. Nicht umsonst wird es in den Wohnungen wieder gemütlicher. Man sucht in ihr die Wohlfühl-Atmosphäre, die das globalisierte und in mancherlei Hinsicht bedrohliche Leben erträglich gestaltet. Und doch ist es nicht mehr derselbe individualistische Rückzugs-Trend, der in den 1990er-Jahren die Gesellschaft dominierte. Im Zukunftsreport 2017 wird das aktuelle, nach ästhetischer wie sozialer Wärme suchende Lebensgefühl als „Hygge“ bezeichnet, ein Begriff aus dem Dänischen (gesprochen in etwa wie „Hügga“). Hygge ist eine weichere und sozialere Variante des Cocoonings, eine Lebensweise, in der man sich auf kleine Dinge konzentriert, Dinge, auf die es wirklich ankommt: mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen und die guten Dinge des Lebens zu genießen. Dabei geht es aber nicht um „neue Spießigkeit“, sondern um einen aufgeklärten, gestalterischen Umgang mit Dingen, Menschen, Situationen.

Und genau diesen Umgang mit Dingen, Menschen und Situationen wünsche ich uns allen in den momentan schwierigen Zeiten,

 Ihre Stefanie Willach




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