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Küchen-News

Küchenmöbelumsätze fahren Achterbahn

Die Achterbahnfahrt der Küchenmöbelumsätze in Deutschland geht weiter. Zwei Mal plus, zwei Mal minus. Im Januar und März gab es ordentliche Zuwächse. Im Februar minus 9,43 Prozent, vor allem aber ging es im April minus 21,5 Prozent deutlich abwärts. Damit ist von Januar bis April 2017 mit 1.519,9 Millionen Euro erstmals seit langem ein Umsatzminus von 3,22 Prozent zu vermelden.

Besonders betroffen waren die Inlandsumsätze, die im April um 23,02 Prozent auf 210,1 Millionen Euro abrutschten Das VdDK Küchenpanel weist für Mai 2017 kumuliert ein Wachstum von 3,4 Prozent aus. Allerdings kommt dieses Wachstum im Wesentlichen aus dem Export. Der Inlandsmarkt liegt schon im Mai unter dem Vorjahr. Ein Ergebnis, das sich im Juni wohl kaum verbessert haben kann.

Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Vertriebswegen im Handel wohl deutliche Unterschiede: Während die Großfläche überproportional verliert, läuft das Geschäft bei den Küchenspezialisten nach wie vor gut. Die MHK-Group berichtet per Ende Mai von einem zweistelligen Wachstum und auch auf den Jahreshauptversammlungen von Der Küchenring oder Der Kreis wurde von durchweg guter bis sehr guter Geschäftsentwicklung berichtet.

 Dabei stellt sich die sehr schwere Frage nach dem Grund der unterschiedlichen Entwicklungen im Möbel- und Küchenhandel, die natürlich auch die Industrie betreffen. Diejenigen Hersteller, die stark im Möbelhandel vertreten sind, berichten ja über eine deutlich schleppendere Geschäftsentwicklung als die Hersteller, die die Spezialisten bedienen. Zum einen profitiert der Küchenfachhandel aktuell, so ist meine Einschätzung, von seinem umfassenden Dienstleistungs- und Qualitätsangebot, zum anderen arbeiten die Spezialisten deutlich längerfristig mit ihren Kunden zusammen, d.h. durch die intensive Kundenbetreuung bekommt der Spezialist deutlich häufiger die Aufträge, die über 10.000 Euro liegen. Weiter gelingt es den

 Küchenspezialisten immer mehr, ihre durchschnittlichen Auftragswerte durch den Verkauf höherwertiger Geräte zu steigern. Ebenfalls möblieren die Küchenspezialisten heute auch über den Küchenraum hinweg und bauen immer mehr Küchenelemente beispielsweise in Esszimmer und Badezimmer ein.

 Dazu kommen aber auch konjunkturelle Veränderungen, die der nun schon relativ lange währenden Zeit mit sehr, sehr niedrigen Zinsen geschuldet sind. Da wir alle aufgrund des niedrigen Zinsniveaus weniger gespart haben, sondern eher in Wohnung, Haus und Garten investiert haben, darf man getrost vermuten, dass eine Vielzahl der Küchen möbliert sind. Es ist kein Geheimnis, dass viele Anschaffungen gerade im Bereich langlebiger Konsumgüter vorgezogen wurden. Dies könnte zu dem Rückgang der Küchen-Nachfrage vor allem im Möbelhandel geführt haben.

Nicht zuletzt auch durch diese Geschäftsentwicklung wird die Konzentration im Handel weiter befeuert. Die schweizerische Migros-­Gruppe schlüpft mit ihren Möbeltöchtern Interio und Micasa unter das Dach der Oberhausener Begros. Und für richtig Furore sorgt aktuell die Fusion von VME und Union, die vom Markt so nicht erwartet wurde. Union wird wohl in den kommenden Jahren unter das Dach von VME Einrichtungspartnerring schlüpfen. Damit gelingt dem VME-Chef Frank Stratmann der zweite große Coup nach der im Jahr 2013 mit MHK gemeinsam gegründeten Einkaufsgesellschaft. Diese bleibt im Übrigen von der neuen Entwicklung unbenommen, profitiert aber, da das gemeinsame Einkaufsvolumen durch den VME-Union-Deal natürlich in der Küche deutlich steigt. Im Zuge dieser Entwicklung dürften dann auch die Karten im Küchensegment noch mal neu gemischt werden. Die Zeiten bleiben turbulent,

Ihre Stefanie Willach




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