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Küchen-News

Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis

2017 hat die Küchenbranche gerüttelt und geschüttelt wie selten ein Jahr zuvor. Die zahlreichen Pleiten werden die Branche verändern. Allen voran natürlich die Alno-Pleite, die jetzt noch ein gerichtliches Nachspiel haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ex-Vorstände, denen seitens der Übernehmerfamilie Hastor vorgeworfen wird, sie hätten Missmanagement betrieben und sich jahrelang auf Kosten des Unternehmens und seiner Beschäftigten Vorteile verschafft. Diese Sichtweise ist sicher nicht uneingeschränkt zu teilen, moralische Bedenken gab es allerdings bei den Honoraren, die Max Müller für Transaktionen und Beratungen kassiert hat, schon länger.

Geschüttelt haben wir uns alle ob der Nachricht, dass der Mehrheitsanteil von SieMatic an die chinesische Nison-Gruppe geht. Der Markenküchenhersteller gehört ohne Zweifel zu den Vorzeigeunternehmen der deutschen Küchenbranche. Hoffen wir, dass die Chinesen nicht allzu viel Einfluss auf das Unternehmen ausüben.

Die Markenküchen sind zwar Objekt der Begierde, verlieren aber zumindest auf dem deutschen Markt Jahr für Jahr an Bedeutung. Diese Erfahrungen mussten nicht nur SieMatic, sondern auch Poggenpohl, Allmilmö und Zeyko machen. Besonders relevant sind die Marken vor allem noch fürs Objektgeschäft. Nach der Insolvenz von Allmilmö und Zeyko wurde Zeyko von einer Unternehmensgruppe, die vor allem im Objektgeschäft tätig ist, übernommen. Allmilmö wird von einem Team um den früheren Inhaber Johannes la Cour weitergeführt, aber ebenfalls nur für den Objektbereich. In dem früheren Hochwertmarkt, der früher den Marken vorbehalten war, mischen heute nahezu alle Küchenhersteller mit. Schüller Küchen wird beispielsweise seine Marke next125 exklusiv in Mailand auf der Eurocucina präsentieren. Einen beachtlichen Platz im hochwertigen Segment hat sich auch Leicht Küchen geschaffen, dem Unternehmen gelingt es mehr und mehr, sich als Architektenmarke zu etablieren.

Hart getroffen hat die Branche auch die LivingKitchen-Absage der BSH, Insider gehen davon aus, dass jetzt alle großen Hausgerätehersteller einen Rückzug machen könnten. Da nützt auch das patriotische „Jetzt erst recht“ von Nobilia und Schüller Küchen wenig.

Apropos Nobilia. Genau einen Tag vor Redaktionsschluss schlug die Meldung, dass sich Dr. Dr. Günter Scheipermeier aus allen Ämtern bei dem Verler Küchenprimus zurückzieht, wie eine Bombe ein. Der 69-jährige Scheipermeier hat vor zwei Jahren den Beiratsvorsitz bei den Verlern übernommen und quasi von außen noch kräftig ins operative Geschäft reinregiert. Natürlich wird Dr. Scheipermeier, der Nobilia schließlich zu dem gemacht hat, was es heute ist, nämlich das Top-Unternehmen der deutschen Küchen­möbelindustrie, von Unternehmensinhaber Werner Stickling mit allen Ehren verabschiedet. Aber so rund ist es zwischen Dr. Scheipermeier und Nobilia in den vergangenen beiden Jahren nicht mehr gelaufen. Intern hat der verdiente Unternehmenslenker für kräftig Unruhe gesorgt. Spätestens als er sich in den Beirat von Porta Möbel wählen ließ, wurde klar, dass er sich auf zu weitläufigem Terrain bewegt. Aufhören wollte Scheipermeier nicht, sonst hätte er sich nicht vor ein paar Wochen als stellvertretender Vorsitzender ins Präsidium des Verbandes der deutschen Möbelindustrie (VDM) wählen lassen.

Wie sang schon Hilde Knef: „Ja, wenn’s dem Esel zu gut geht, dann trabt er aufs Eis, um zu tanzen, wie jeder weiß; und er kichert und ziert sich, posiert ungeniert sich, bläht sich auf vor Eitelkeit, und er ließe sich morden für Ehren und Orden, ist leider vom Menschen nicht weit. Ja, wenn’s immer zu gut geht, stellt sich selber ein Bein, na und dann, dann bricht er ein.“

Übrigens mit dem Zitat „Wenn’s dem Esel zu gut geht“ hat Claus Birkner 1992 den Leitartikel der Erstausgabe eingeleitet. Mit dieser Ausgabe feiern wir nun unseren 25.Geburtstag. Legen Ihnen ein Heft mit vielen kritischen Fakten vor, aber auch eine genussvolle, spannende Rückschau auf 25 Jahre KÜCHENhandel und Verlagsgeschichte.

Zusammen mit dem ganzen KÜCHENhandel-­Team nun wünsche ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins Jahr 2018 und viel, viel privaten und geschäftlichen Erfolg.

Ihre Stefanie Willach

Schreiben Sie mir Ihre Meinung:  willach@interieur-verlag.de

 




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