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Ablasszahlungen für das grüne Gewissen

So korrekt und so exakt wir Deutschen auch sind, Europa ist uns immer einen Schritt voraus. Von Brüssel aus wird reglementiert was das Zeug hält – bisweilen vollkommen sinnfrei. Ich erinnere nur an die EU-Normung für die Länge von Gurken oder den Krümmungsgrad von Bananen. Unter dieser Reglementierungs-Marotte leiden momentan Küchen- und Möbelhandel. Dabei sitzen die fleißigsten Erbsenzähler in diversen Umweltverbänden.

Hochgespült hat diese Welle das neue europäische Energielabel, das die Hersteller seit dem 20. Dezember 2010 - zunächst freiwillig - allen neuen Kühl-/Gefriergeräten, Waschmaschinen und Geschirrspüler beifügen. Und das, wie die alten Labels auch - durch den Handel deutlich sichtbar außen an der Vorderseite angebracht werden muss. Genau diese hat diverse selbsternannte Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. So mahnen Umweltverbände, wie zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe, aktuell den Küchen- und Möbelhandel ab. Mit heimlichen Testbesuchen wird herumgeschnüffelt was nicht ordnungsgemäß kennzeichnet ist. Dann setzt es strafbewährte Unterlassungserklärung. Neben der Zahlung der beiliegenden Gebührennote in Höhe von 250 Euro wird für jeden Einzelfall bei Zuwiderhandlung die Zahlung einer Konventionalstrafe in Höhe von 10.000 Euro fällig. Abzocke oder Ablasszahlung für das grüne Gewissen?

Die Chance, mit dem neuen europäischen Label eine Kennzeichnung direkt im Gerät zu erlauben, wurde jedenfalls verpasst. Dem Handel bleibt nichts anderes übrig, als die Küchen in Zukunft wieder mit diversen Zettelchen zu verschandeln, gleich ob mit aufgeklebtem oder angehängten oder wie auch immer vorn auf der Front sichtbar befestigtem Label. Sonst wird eine unfreiwillige Unterstützung der Umweltorganisationen oder notleidener Anwälte fällig. 


Auf der weltgrößten Sanitärmesse ISH glaubte ich dann meinen Augen nicht zu trauen. Die Armaturenindustrie verbündet sich auf europäischer Ebene, um ja was wohl, ein Energiekennzeichnungslabel einzuführen. Liebe Armaturenhersteller, ich finde es ist ja richtig und gut, dass ihr euch nun mit einem solchen Label schmücken wollt. Ebenso wie es richtig und gut ist, gute Marketinginstrumente an der Hand zu haben, um Qualitätsprodukte von preiswerten Importen abzugrenzen. Sorgt aber bitte dafür, dass der Handel eure tollen Designarmaturen nicht auch noch mit Aufklebern verschandeln muss.
Ein Schildbürgerstreich aus Brüssel ist genug, meint


Ihre Stefanie Willach


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