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Selbsterfüllende Prophezeiung

Was mit einem Paukenschlag begann, hatte eine lange Nachhallzeit. Eigentlich über das ganze Jahr hinweg. Die Living Kitchen im Januar dieses Jahres sorgte für Partystimmung in der Branche. Man kam aus dem Lachen heuer nicht mehr heraus. Bis zum heutigen Tag.

Dies ist völlig ungewöhnlich für unsere Küchenbranche. Denn eigentlich ist die generelle Stimmungslage in unserer Branche durch Jammern und Wehklagen charakterisiert. So aber hält sich ein ortsfestes Optimismushoch. Von Moll keine Spur. Und das schon seit längerer Zeit. Eigentlich bereits im Jahr 2010 beginnend.

Doch diese wundervolle Zeit neigt sich dem Ende zu. Erste Sorgenfalten werden sichtbar. Die ewigen Diskussionen um eine Lösung der Schuldenkrise sorgen auf dem Internationen Parkett für eine Eintrübung des Konjunkturklimas. Unsere exportorientierte Küchen- und Hausgeräteindustrie ist auf Gedeih und Verderb auf internationale Märkte angewiesen. Die Fragezeichen sind riesengroß.

Im Küchenhandel nimmt die Skepsis ebenfalls zu. Die Furcht vor einem Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft in Deutschland dämpft die Erwartungen. So haben wir aktuell die schizophrene Situation in Deutschland, dass die Wirtschaft brummt, insbesondere im Konsumbereich, uns andererseits aber die Angst vor einer Rezession aufs Gemüt schlägt. Die Gefahr einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung nimmt konkrete Formen an.

Diese Sorge ist heuer auch in allen Statements spürbar, die wir traditionell zum Ende des Jahres Branchenmanagern entlocken. In dieser Ausgabe schauen für uns mal wieder zahlreiche Manager aus Industrie, Handel und der Verbandsszene in die Glaskugel.

Während diese Branchen-Weisen den Blick in die Zukunft wagen, erlaube ich mir eine kurze Rückschau auf das sich zu Ende neigende Jahr. Was bewegte die Branche? Natürlich ist solch ein Rückblick immer unvollständig und persönlich gefärbt. Für mich standen die Ereignisse rund um Alno erneut im Mittelpunkt. Obwohl die Verwerfungen um den Pfullendorfer Küchenkonzern nun seit Jahren die Branche beschäftigen, sorgt Alno immer wieder für neue Überraschungen. Leider meist negativer Natur. Ein weiterer Aufreger war die Entwicklung von Nobia im Allgemeinen und Poggenpohl im Speziellen. Der schwedische Küchenkonzern, das ist meine persönliche Einschätzung, wird auch in Zukunft für negative Schlagzeilen sorgen.

Wenn wir schon bei den Badboys der Branche sind: Snaidero und die Tochter Rational gehören für mich ebenso zu den Verlierern des letzten Jahres - wenn auch nicht mit einer solchen Tragweite wie bei Alno oder Nobia. Und schließlich ist der Einstieg des Möbelverbandes VME bei seinem Küchenlieferanten Brinkmeier ein Aufreger. Eine für die Branche so überraschende wie fragwürdige Liaison. Unser Interview mit VME-Hauptgeschäftsführer Frank Stratmann finden Sie ebenfalls in dieser Ausgabe.

Wir sind mit dieser letzten Küchenhandel-Ausgabe in diesem Jahr ziemlich früh dran. Dennoch darf ich Ihnen schon jetzt für das kommende Jahr Zufriedenheit, gute Geschäfte und vor allem Gesundheit wünschen.

Ihr Claus Birkner


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