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Küchen-News

„Einen Taler mehr für die Küche“

Das Aufatmen sowohl in Handel auch in Industrie ist spürbar. Nach dem superheißen – sprich miserablen Sommer – hat die Nachfrage wieder leicht angezogen. Das 1. Halbjahr 2018 lief für Industrie und Handel gut, Ärger bereiteten nach wie vor noch die langen Lieferzeiten. Die sind aber bei den meisten – sprich vor allem großen Küchenmöbelherstellern – dank erheblicher Klimmzüge Geschichte. Zwei Probleme beschäftigten die Industrie aber auf der Hausmesse über Gebühr. Zum einen der Fachkräftemangel in OWL und Nachwuchssorgen.

Nobilia warb um seine Auszubildenden beispielsweise via Radio Gütersloh. Bei Häcker Küchen gab es ein Speeddating, um den Nachwuchs zu gewinnen. Neben den Auszubildenden werden Mitarbeiter für die Produktion gesucht, aber auch für den Innendienst. Bauformat hat für seine Tochter Burger – auch in Burg sind Arbeitnehmer händeringend gesucht – eine Auftragssachbearbeitung in Essen eingerichtet. Dort, quasi mitten im Pott, ist noch genügend qualifiziertes oder zu qualifizierendes Personal auf der Straße. Nobilia hat eine solche Sachbearbeitung schon im Saarland und auch in Pfullendorf etabliert.

Händeringend werden derzeit auch LKW-Fahrer gesucht. Klaus Flint, Inhaber von KH System Küchen, erzählte mir auf der Hausmesse, dass er gerade die Spedition wechseln musste. Sein langjähriger Spediteur hat das Unternehmen verkauft und der neue Besitzer fährt nur noch Kurzstrecke. Dieses Problem kennt der Handel natürlich bestens, denn gerade in den Monaten nach der Alno-Pleite kam es auf der Straße und vor den Lägern zu chaotischen Zuständen. Fahrer, die nicht beim Abladen helfen wollten, Fahrer, die unpünktlich und unzuverlässig waren oder Sprachdefizite hatten: alles Probleme, die der Handel von dem sonst so perfekt funktionierenden Uhrwerk der deutschen Küchenmöbelindustrie nicht kannte.

Aber, und das war auch auf den Hausmessen zu hören, auch der Handel war an seinen Grenzen angekommen. Die Endkunden berichteten auf den einschlägigen Portalen von arroganten und überheblichen Verkäufern, horrenden Lieferzeiten, misslaunigen und inkompetenten Monteuren usw. Gut also, dass sich die Szenerie durch das gewaltige Sommerloch, das den Alno-Effekt quasi aufgesogen hat, wieder etwas beruhigt hat.

Interessant auch eine Entwicklung, die sich vermeintlich bei der darbenden Großfläche abzeichnen soll. Die GfK-Zahlen zeigen, dass die Großflächenanbieter wieder „einen Taler mehr für die Küche nehmen“, erfuhren wir in Ostwestfalen. So steht dem mengenmäßigen Minus ein wertmäßiges Plus im Möbelhandel gegenüber. Auch nicht schlecht. Hoffen wir also auf ein normales, flüssiges Herbst-/Wintergeschäft, das Handel und Industrie einen schönen Vorlauf für 2019 beschert. Denn 2020 werden bei all den neuen Kapazitäten, die uns dann ins Haus stehen, eh die Karten neu gemischt.

Ihre  Stefanie Willach

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