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Küchen-News

Mehr Kapazität bringt mehr Vielfalt

Wenn sich in diesen Tagen Branchenteilnehmer treffen, landet das Gespräch schnell bei der Frage: „Wo sollen diesen riesen Kapazitäten hinführen?“ Die Ängste, die mit der Frage verbunden sind, sind höchst unterschiedlich: Kleinere Hersteller sorgen sich, dass sie dem Verdrängungswettbewerb zum Opfer fallen, Einkaufskooperationen sorgen sich ebenso wie Händ-ler, dass sie der Marktmacht der Industriedickschiffe nicht mehr genügend Einkaufsmacht entgegenzusetzen haben. Kurz-um, die Branche sorgt sich, dass sie durch die Kapazitätsaufstockung von Nobilia, Schüller und Häcker ins Ungleichgewicht gerät.

Entsprechend dem Ausspruch des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der BMW AG: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen“ suchen die kleineren Küchenmöbelhersteller nach Lösungen. Wir besuchten für diese Ausgabe Ballerina Küchen, stellvertretend für ein solches kleineres Unternehmen, dass durch Investitionen, Innovationen und Ideen seine Rolle in diesem Marktumfeld gefunden hat.

Wir waren aber auch bei Häcker Küchen, die mit ihrem neuen Werk in Venne eine komplett neue Produktion für ihr Programm „systemat“ bauen. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer Markus Sander und Vertriebschef Deutschland Marcus Roth wurde schnell deutlich, dass Häcker die Herausforderungen des Marktes und vor allem der Wettbewerber annimmt. „Wir wollen auch in 10 Jahren noch zu den Gewinnern gehören“, gab mir Markus Sander für das Unternehmen Häcker auf den Weg.

Für den deutschen Küchenfachhandel bringt der Kapazitätsausbau der Küchenindustrie – und nicht nur die großen Hersteller bauen, sondern auch die kleineren Hersteller investieren kräftig, um überholen zu können – in einem ersten Schritt mehr Vielfalt. Auch das wird zu den Hausmessen in Ostwestfalen sichtbar. Die Losgröße 1 ist bei einigen Herstellern schon Tagesgeschäft oder zumindest integraler Bestandteil der Wachstumsstrategie, ebenso wie das Thema Raster in den Einstiegspreislagen Einzug halten wird. Schüller und Häcker haben das bereits angekündigt und auch bei Nobilia wird es nach meiner Einschätzung Realität werden. Dazu benötigen die Hersteller mehr Kapazitäten, dann benötigen sie natürlich mehr Produktionsvolumen für das Exportgeschäft und drittens benötigen sie mehr Kapazitäten dadurch, dass die Küche in den Wohnraum weitergedacht wird. Der Schritt, mit Küchenmöbeln einen Hauswirtschaftsraum oder auch den Badbereich zu möblieren, ist längst gemacht.

Nein, ich möchte die Folgen der bevorstehenden Neukapazitäten nicht verharmlosen, aber ich bin überzeugt, dass kein Unternehmen in unserer mittelständischen Küchenmöbelindustrie einfach so ins Blaue hinein investiert. Solange die neu geschaffenen Kapazitäten nicht zu einem Preisverfall führen, bleibt die deutsche Küchenbranche im Lot. International gilt es den Status der deutschen Küchenmöbelindustrie als Weltmarktführer zu festigen und auszubauen. Und da bin ich bei meinem Lieblingsthema, dazu bedarf es einer Weltleitmesse im eigenen Land, in dem Land, in dem weltweit die nach meiner Einschätzung besten und schönsten Küchen produziert und geplant werden.

Lassen Sie uns auf der IFA in Berlin und auf den Hausmessen in Ostwestfalen weiterdiskutieren,

Ihre Stefanie Willach

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