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Küchen-News

Fahrräder und Küchen laufen, wenn Autos und Reisen nicht gehen

Gerade als ich diesen Leitartikel für KÜCHENhandel beginne, ruft mich ein Küchenhändler aus dem Süden an. Er ärgert sich gerade über die Lieferzeiten der Hausgeräteindustrie bei einzelnen Geräten. Eine Klage, die wir aktuell recht häufig hören und die auch auf den entsprechenden Foren im Internet nachzulesen ist. An dieser Stelle zeigen sich die Nachwehen der Corona-Krise, die Belieferung aus Italien, der Türkei und auch aus Asien ist noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau angekommen. Aber abgesehen von den Lieferschwierigkeiten wusste mir der Küchenspezialist zu berichten, dass er vergangene Woche schon den Auftragseingang des Vorjahres übertroffen habe und aktuell noch sieben Planungen auf seinem Tisch liegen würden.

Wahnsinn, wer hätte mit solch einer guten Küchenkonjunktur gerechnet? Selbst der VDM korrigierte seine Prognose nach oben, rechnet für die gesamte Möbelindustrie nur noch mit einem Minus von 5 Prozent, im Mai wurde noch ein Minus von 10 Prozent für das gesamte Jahr erwartet. Davon unbenommen bleibt tatsäch­liche die Küchenbranche, die schon wieder auf dem Vorjahresniveau liegt. Die Zeit zu Hause soll bei vielen Menschen den Wunsch nach einer neuen Küche, nach neuen Möbeln geweckt haben. Auch der Mehrwertsteuersenkung werden gewisse Vorzieheffekte zugesprochen. Ja, Fahrräder und Küchen laufen, wenn Reisen und Autos nicht gehen, die Weisheit ist ebenso richtig wie alt.

Positiv sind auch die Zahlen, die die GfK in Sachen Durchschnittspreis pro verkaufter Küche vermeldet: Gut gelaufen ist es für die Küchenspezialisten, die mittlerweile einen Durchschnittspreis von 11.398 Euro erzielen. Der Einrichtungsfachhandel hat ebenfalls mit 8.642 Euro nochmals kräftig zugelegt. Durchschnittlich 9.687 Euro gibt ein Kunde in Deutschland im Fachhandel (Einrichtungshäuser, Küchenstudios, Küchenfachmärkte, ohne Möbel-Discount) für eine neue Küche aus. Das sind 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren und sogar 49 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Aktuell freue ich mich nun auf die Hausmessen in Ostwestfalen, endlich geht es wieder raus aus der Redaktionsstube hin zu Herstellern, Ausstellern und Besuchern. Ich hoffe auch hier, dass wir von der zweiten Corona-Welle verschont bleiben. Die Hersteller haben sich so viel Mühe gegeben, ihre Ausstellungen nicht nur auf den neuesten Stand zu bringen, sondern auch virenfest zu machen. Zwar machen nicht alle Küchenmeile-Unternehmen in diesem Herbst bei der realen Messe mit, aber das Portfolio ist wirklich interessant und bestimmt sehenswert. Interessant auch die Hersteller, die auf den virtuellen Präsenzen unterwegs sind. Hier gilt es eine ganz neue Branchenerfahrung zu erleben und auch zu verstehen. Wer, wann und wo zu finden ist, berichten wir in dieser Ausgabe.

Spannend ist ebenso die Entwicklung bei Poggenpohl, wo der erste Übernehmer nicht zum Zug gekommen ist und nun ab dem 1. September die chinesische Jomoo-Gruppe das Sagen hat. Geschäftsführer von Poggenpohl wird der Chinaexperte Ralf Marohn, der auch weiterhin bei RWK Einbauküchen das Heft in der Hand hat. Jomoo und der RWK-Eigner Boloni sollen angeblich nichts miteinander zu tun haben. Hier werden wir abwarten, was hinter der ungewöhnlichen Konstellation steckt.

Themen gibt es für den Herbst reichlich, auf ein Wiedersehen in Ostwestfalen oder spätestens 2021 in Köln,

hofft Ihre Stefanie Willach

Schreiben Sie mir Ihre Meinung:willach@interieur-verlag.de

P.S. Falls Sie nach OWL reisen, vergessen Sie ihre Maske nicht.




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