(c) Interieur Verlag

Küchen-News

Zwischen Hoffen und Handeln

Die Lage in der Küchen- und Möbelbranche bleibt widersprüchlich. Einerseits ist von steigenden Auftragseingängen die Rede – ein Hoffnungsschimmer, der zeigt: Die Nachfrage ist nicht tot. Andererseits bewegen sich die Branchenzahlen wei-terhin leicht im Minus. Das Bild bleibt diffus, die Stimmung schwankt zwischen vorsichtigem Optimismus und bloßer Er-nüchterung.

Auch im Handel zeigt sich ein ambivalentes Bild. Es wäre zu einfach, regional zu unterscheiden – nach dem Motto: Im Norden läuft’s gut, im Süden schlecht, im Westen durchwachsen, im Osten bescheiden. So eindeutig ist es nicht. Vielmehr erleben wir eine Hauskonjunktur: Diejenigen Küchenhändler, die stark aufgestellt sind, ein klares Profil haben und in ihrer Region Vertrauen genießen, haben gut zu tun. Qualität, Service und Reputation zahlen sich weiterhin aus. 

Anders sieht es im Möbelhandel aus. Hier wird mit allen Mitteln versucht, Frequenz zu erzeugen – mit Prozentaktionen, Werbeküchen und Rabattschlachten. Doch die Kundschaft bleibt vielerorts aus. Der Preis allein ist eben kein Verkaufsargument mehr, schon gar nicht in Zeiten, in denen Verbraucher genau hinschauen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Vielfach hörten wir auf den Hausmessen, dass die Kunden wieder vergleichen und mehrere Angebote einholen. Gleichfalls konnten wir beobachten, dass besonders die Geräteanbieter und großen Küchenhersteller ihre Preiseinstiegslagen deutlich ausweiten. 

Von einer echten Belebung der Baukonjunktur, auf die die Branche seit Monaten hofft – und für die sie zu Recht laut wirbt –, ist weiterhin nichts zu sehen. Die Bundesregierung schafft es bislang nicht, den baunahen Bereich stärker zu unterstützen. Während andere Industriezweige milliardenschwere Förderprogramme in Aussicht gestellt bekommen, spürt die Branche vom angekündigten „Bau-Turbo“ quasi nichts. Da hilft es auch nichts, dass sich Bauministerin Verena Hubertz selbst applaudiert, weil sie die Geduld nicht verliert, bis der Bau-Turbo starten kann. 

Ein kleiner Lichtblick: Der Aufschub der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verschafft der Branche etwas Luft. Doch die Herausforderungen bleiben, gerade für kleine und mittelständische Betriebe. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie – all das lähmt den Aufschwung, bevor er überhaupt richtig beginnen kann. 

Was es jetzt braucht, ist mehr als Durchhalteparolen. Es braucht politischen Willen, gezielte Förderung und den Mut, die Bedeutung des Wohnens und Bauens als gesellschaftlichen Kernbereich anzuerkennen. Denn ohne Bewegung am Bau wird auch die Küche nicht wieder zum echten Konjunkturmotor. 

Bis dahin heißt es: weiter anpacken – aber mit wachem Blick und klarer Haltung,

meint Ihre Stefanie Willach

Schreiben Sie mir Ihre Meinung: willach@interieur-verlag.de

 



×