Mailand bleibt wichtig. Aber es darf nicht alternativlos sein

Die Eurocucina in Mailand bleibt ohne Zweifel ein Fixpunkt im internationalen Designkalender. Sie ist Bühne, Inspirations-quelle, Netzwerkplattform und nicht zuletzt ein emotional aufgeladenes Branchenevent. Doch aus meiner Sicht stellt sich zunehmend die Frage: Für wen ist diese Messe eigentlich gemacht? Die Antwort fällt differenziert aus – und sie fällt nicht zwingend zugunsten des deutschen Küchenfachhandels aus.
Denn während Mailand weiterhin als globale Designhauptstadt funktioniert und als Exportdrehscheibe insbesondere für international orientierte Hersteller relevant bleibt, ist der konkrete Nutzen für viele deutsche Händler begrenzt. Die Realität zeigt: Nur ein kleiner Teil – vor allem aus Süddeutschland – findet regelmäßig den Weg zur Eurocucina. Für große Teile der Branche ist Mailand schlicht zu weit entfernt, zu teuer, zu aufwendig – und inhaltlich zu wenig auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten.
Diese Diskussion war bereits im Vorfeld der Messe deutlich zu spüren. Sie kulminierte in der Absage von Bulthaup, die ihre Entscheidung explizit mit explodierenden Preisen aller Gewerke und Hotels in der Mailänder Innenstadt begründeten. Ein Signal mit Gewicht. Denn wenn selbst international renommierte Premiumhersteller den wirtschaftlichen Nutzen infrage stellen, sollte die Branche genau hinhören.
Hinzu kommt ein struktureller Wandel des Messeerlebnisses selbst. Immer mehr Marken verlagern ihre Präsenz bewusst in die Innenstadt – in Showrooms, Installationen und temporäre Erlebnisräume des Fuorisalone. Dort entsteht heute die eigentliche Strahlkraft der Mailänder Designwoche. Nicht mehr in den Hallen von Rho. Das ist spektakulär, inspirierend und kommunikativ stark – aber nicht zwingend praxisrelevant für den deutschen Küchenhandel.
Denn der braucht keine Inszenierung allein. Er braucht Orientierung. Er braucht Plattformen, auf denen Sortimentsentscheidungen vorbereitet werden können. Auf denen Markttrends eingeordnet werden. Auf denen Industrie, Handel und Dienstleister auf Augenhöhe miteinander sprechen.
Kurz gesagt: Er braucht eine internationale Küchenmesse in Deutschland. Deutschland ist Exportweltmeister im Küchenmöbelbereich. Made in Germany steht weltweit für industrielle Kompetenz, Planungssicherheit und Lieferfähigkeit. Gleichzeitig fehlt im eigenen Land eine zentrale internationale Plattform, die genau diese Stärke sichtbar macht. Mailand kann diese Rolle nicht übernehmen. Mailand bleibt Design. Deutschland könnte Markt sein.
Eine internationale Küchenmesse in Deutschland hätte das Potenzial, genau dort anzusetzen, wo der deutsche Fachhandel steht: zwischen Architekturtrend und Alltagstauglichkeit, zwischen Exportstrategie und Endkundennähe, zwischen Markeninszenierung und Verkaufsrealität. Sie würde Wege verkürzen. Relevanz erhöhen. Beteiligung verbreitern.
Und sie würde zeigen, dass die Küchenbranche ihre Zukunft nicht ausschließlich in italienischen Innenstädten feiern muss – sondern auch dort gestalten kann, wo ihre industrielle Stärke zu Hause ist. Mailand bleibt wichtig. Aber es darf nicht alternativlos sein. Davon bin ich überzeugt,
Ihre Stefanmie Willach
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